Donnerstag, 7. August 2008

Fantastic-Supporters on Tour: Mit dem VfL nach Japan!

Verrückt waren wir ja schon immer! Und so war es natürlich auch nicht verwunderlich das sich zumindest zwei Fantastic-Supporters, nämlich Fabian und Peter auf die Jahrhundert-Tour des VfL nach Japan machten!


Schau mal wer da winkt - Fantastic-Supporters Demo auf einer großen Kreuzung in Tokio-City!



Von Peter Holle (Text) und Fabian Budde (Foto)

Montag, 28.07.08: Jetzt geht´s los! Etwas früher (so gegen 15 Uhr) die Arbeit niedergelegt, sich bei Kollegen und Chefs verabschiedet (der eine fand mein Vorhaben überhaupt nicht sinnlos oder gar krank, sondern vielmehr genau in mein Profil passend), andere Klamotten an, Rucksack geschnappt und rein in die S-Bahn zum Stuttgarter HBF. Von dort weiter in den ICE zum Fraport. Im Zug noch einen sehr interessanten und weit gereisten Geschäftsmann kennengelernt und die Fahrt komplett verlabert. Eingecheckt, im Terminal 2 traditionell den McD beehrt und ab durch die Sicherheitskontrolle, an der trotz oder gerade wegen des Streiks der LH gar nix los war. Alles easy going also und pünktlich um 19:20 hob der Air China Vogel ab Richtung Shanghai. Gottlob war der Flieger nicht so voll, so dass man sich etwas ausdehnen konnte. Die einzige Auswirkung des Streiks war, dass Air China in FRA kein Essen bekam und man somit chinesich verpflegt wurde und zwar mit Gemüsemaultaschen aus Deutschland. Da gibt´s schlimmeres...

Dienstag, 30.07.2008: In Shanghai war man trotz fast 5-stündiger Wartezeit eigentlich auf ein Verweilen im Transitbereich eingestellt. Umso erfreuter registrierte ich, dass mich die kleinen Chinesen auch ohne Visum (ich hatte zwar noch ein nicht gebrauchtes im Pass, nur war dies seit zwei Monaten abgelauften) in ihr Land einreisen liessen. Somit wurde einem die Testfahrt im Transrapid quasi auf dem Silbertablett präsentiert, was man sich natürlich nicht entgehen liess. Für 80 chinesische Öckelmöcken (7,62 €) ein Return-Ticket per Kreditkarte gelöst, ging es mit 431 Klamotten Spitze die 30 km in die Stadt. Nach 6 1/2 Minuten war der Spaß auch schon vorbei, also fast wie ne Nummer im Puff, nur nicht so preisgünstig. Weil´s so schön war, gleich wieder zurück und eingecheckt für den Weiterflug nach Narita. Dort gelandet gleich Streß mit nem japanischen Zöllner bekommen, dem es wohl suspekt vorkam, dass ich nur mit nem kleinen Rucksack unterwegs war. Also legte er mir nen Katalog mit Sachen vor, die er nicht in meinem Rucksack vorzufinden wünschte und da er mir nicht glaubte, dass ich keine bösen Sachen dabei hätte, überzeugte er sich gleich selbst davon. Bei der Einreise werden jetzt übrigens Fingerabdrücke und Gesicht gescannt und per Aufkleber im Pass verewigt. Technik, die begeistert. Der nächste Ärger drohte am Geldautomat, von denen keiner eine kleinere Stückelung als 10.000 Yen (ca. 60 €) ausspucken wollte. Wat soll ich mit soviel Kohle? Nutzte nix, wird sich schon irgendwie ausgeben lassen. Am Fahrkartenautomat ne Kinderkarte nach Shinagawa für 720 Yen gelöst und fast 2 Stunden durch die Nacht gegondelt. Einmal umsteigen in Tokyo Station und schon wurde man um kurz nach Mitternacht Ortszeit von Fabian am Ausgang von Shinagawa bereits in Empfang genommen. Das war auch gut so, da mein Uralt-Handy sich nicht mit Nippons neuer Technik verträgt und sich die Kontaktaufnahme vor Ort ansonsten sehr problematisch erwiesen hätte. Apropos Handy: Wenn die kleinen Japaner Bahn fahren, dann pennen sie entweder (im Sitzen wie im Stehen) oder daddeln, ob jung, ob alt, mit ihrem Handy herum, AUSNAHMSLOS!!! Kurze Zeit später konnten auch noch Michael, VfL-Frank und die lebende Legenge Max begrüßt werden, die einen Tag früher angereist waren und schon einen Wolken- und den damit verbundenen Spielabbruch beim U23 Match Japan vs. Argentinien erlitten hatten. Noch schnell im 7/11er ne Büchse Bier als Schlummertrunk besorgt und mit auf Fabian und Michael´s Zimmer des Shinagawa Prince Hotels, von wo man einen genialen Ausblick auf´s nächtliche Tokio hatte.

Mittwoch, 30.07.2008: Der Tag sollte zu fünft mit Sightseeing verbracht werden. Hierzu wurde das Sparpreis 100 Angebot von JR-Lines genutzt, soll heißen einfach an den Barrieren hinter einem kleinen Japaner mit Monatskarte durchlaufen und fertig. Funktioniert immer. Also zunächst nach Shinjuku und dort rauf auf die beiden Türme des Rathauses, von wo man eine schöne Aussicht auf die Stadt hat. Leider ließ sich Fuji-san mal wieder nicht blicken. Anschließend ging es bei drückender Schwüle zum Meji Schrein, den man noch vom letzten Besuch in 2001 kannte. Weitere Stationen waren ein absolut kultiges Sportgeschäft, in dem viele Erinnerungsstücke aus der großen Fußballwelt ausgestellt waren und wo man allerhand sinnlose Devotionalien des ebenfalls am 31.7. stattfindenden Kicks des FC Bayern bei den Urawa Reds erwerben konnte, ein unglaublich großes, 7 stöckiges Elektronikkaufhaus, eine Kreuzung in Shibuja, bei der es eine eigene Grünphase nur für Fußgänger gibt, was dazu führt, dass dann plötzlich tausende Menschen kreuz und quer über die Straße rennen (dies wurde natürlich zur Präsentation der Fanclubfahne und einem damit verbundenen netten Foto genutzt), den Tokyo Tower, der dem Eiffelturm nachempfunden ist und, wenn es nach Fabian gegangen wäre, ebenfalls als Fotomotiv für die Fahne hergehalten hätte, das HRC am Ueno Bahnhof, das zur Nahrungsaufnahme genutzt wurde und schließlich das Amüsierviertel Roppongi, wo vor allem unser Max, vermutlich aufgrund seiner seriösen Erscheinung, Ziel der Schlepper wurde, die einen auf Schritt und Tritt in ihre Etablissements schleusen wollten. Bei letzteren handelt es sich ausschließlich um maximal pigmentierte Mitmenschen; würde man für diese Aufgabe höfliche und schüchterne Japaner nehmen, hätte wahrscheinlich bis heute kein Mensch eine Bar in Roppongi besucht. An Bernds Bierbar, einem Schuppen, der sich -wer hätte das gedacht- fest in deutscher Hand befand, montierte Fabian noch das Spielplakat URD - FCB ab und schon ging´s wieder retour ins Hotel. Überhaupt war unser großes Kind heute außer Rand und Band und konnte nicht davon abgehalten werden, immer wieder in irgendwelche Spielzeugläden oder Spielhallen zu rennen. Dort gab es teilweise schon komische Daddelspiele, die für den durchschnittlichen Mitteleuropäer einfach zu hoch waren und auch so kranke Sachen wie Goldfische in einem Planschbecken, die die kleinen Japaner mit einem Siebchen fangen mussten und dann mit nach Hause nehmen durften.Mit Frank ging es noch auf ein Guiness in einen englischen Pub, während die anderen den Matrazenhorchdienst vorzogen.

Donnerstag, 31.07.2008: Der Tag des großen Spiels war endlich gekommen. Doch vorher hatten Fabian und ich noch einen Termin auf dem Tokioter Fischmarkt. Somit alarmte der Handywecker schon um 4:45, was den übrigen Mitreisenden deutlich zu früh war. Unverständlich, denn ein Besuch auf dem Fischmarkt ist das HIGHLIGHT schlechthin, ein absolutes MUSS. Pennen kann man auch zuhause oder nächste Woche bei der Arbeit. Zwei Stationen Bahn, 15 Minuten zu Fuß und schon war man mittendrin im Getümmel. Riesige, schockgefrostete Thunfische wurden versteigert, durch die Gegend gekarrt oder mit der Bandsäge zersägt, allerhand undefinierbares Getier schlängelte und wand sich auf den Tischen und mittendrin die ganzen umherwuselnde Arbeiter auf ihren kleinen motorisierten Transportwägen. Man kann es nur schwer in Worte fassen, man muss es einfach gesehen haben. Anschließend drehten wir noch ne Runde über den Markt für den Endverbraucher und gegen 8 war man wieder im Hotel, wo die anderen Sportkameraden noch in den Federn lagen. Um 10 trafen wir uns mit den später eingetroffenen Christian Ratajczak, Kai aus Köln, Naddel und Schwelmer mit Frau vorm Hotel, um gemeinsam nach Yokohama zu fahren. Da zwischen beiden Städten eigentlich nur Kawasaki liegt, ging dies recht fix. Um vom Bahnhof zum Hotel zu gelangen, wählte man ein Boot, so dass behauptet werden kann, die Anreise erfolgte zu Lande, zu Wasser und in der Luft. Fabian hißte noch einen UB-Doppelhalter an einem Schrubber, so dass das Boot nun unter Bochumer Flagge fuhr. Da die Welt bekanntlich vornehm zugrunde geht, wählten wir für die Nacht das Interconti, in dem auch die Mannschaft des VfL abgestiegen war. In der Lobby saßen dann zwei dem Groupiealter doch schon länger entwachsene einheimische Damen, die kichernd ein Fähnchen mit der Aufschrift "Welcome VfL Bochum" präsentierten. Sachen gibt´s, die gibt´s gar nicht. Eingecheckt und dann schon die ersten Spieler/Offiziellen gesichtet, die auf unser Erscheinen ganz unterschiedlich (zwischen Staunen, Entsetzen und Freude war alles dabei) reagierten. Einigen merkte man schon an, dass die für uns Fans nicht übrig haben, wenige Ausnahmen, darunter auch Coach Koller, nahmen sich sogar Zeit für etwas Smalltalk. After that ging es noch kurz durch die Stadt, die aber trotz ca. 3 Mio. Einwohnern nicht viel zu bieten hat. Selbst das chinesische Viertel entpuppte sich nur als Abklatsch von anderen Chinatowns auf dieser Welt. Aber wir waren ja eh wegen was ganz anderem hier.

Freundschaftsspiel am 31.07.2008 Yokohama F. Marinos - VfL Bochum 1 : 1

Mit der Bahn ging es raus in den Stadtteil Shin-Yokohama, wo das riesige Stadion bereits von weitem gesichtet wurde. Vor dem WM-Endspielort von 2002 war ein sehr schöner Gedenkstein mit der Statistik des Finals von 2002 und den Fuß- bzw. Handabdrücken von Hasenzahn-Ronaldo und Torwartgott Olli Kahn. Drumherum waren alle Vor- und KO-Rundenergebnisse sowie in einem weiteren Kreis alle Qualifikanten aus den jeweiligen Konföderationen in den Boden eingelassen. Da geht dem geneigten Fußballfan wirklich das Herz auf. Schade war, dass es erstens im Fanshop keine Artikel vom heutigen Match zu kaufen gab und dass sich zweitens in der riesigen Schüssel nur knapp unter 10.000 Leutchen tummelten. Der Grund hierfür war aber nicht unser VfL (denn der ist seit der Verpflichtung von Ono in Japan richtig populär), sondern die sportliche Krise des Gastgebers, dessen Fans daraufhin zum Boykott dieses Matches aufgerufen hatten. Die Marinos haben übrigens eine recht bewegte, wenngleich im Vergleich zum VfL von 1848 auch kurze, Geschichte hinter sich. Gegründet 1972 als Werksmannschaft Nissan FC, benannte man sich zur Einführung der japanischen Profiliga in Yokohama Marinos um und fusionierte im Jahr 2000 mit den älteren (1964, na ja), aber weniger erfolgreichen Yokohama Flügels, von denen nur noch das F. im Namen verblieben ist. Im Gegensatz zum VfL konnten allerdings schon etliche nationale wie internationale Titel eingeheimst werden. Aber das mit den Titeln ist beim VfL nur noch eine Frage der Zeit. Wenn erst mal der erste geschafft ist, wird es Schlag auf Schlag weitergehen....Wir 10 Bochumer ließen uns etwas abseits auf der Gegentribüne hinter unseren fast ebenso zahlreich vertretenen Fahnen nieder und verfolgten das Geschehen auf dem Rasen bei gelegentlicher Anfeuerung für unser Team und für Günther Pohl. Der VfL Haus-und Hofberichterstatter ging gegenüber seiner Arbeit nach und hatte heute Geburtstag. Sicherlich ein nettes Geschenk, das er da vom VfL erhielt. Leider ging unsere Taktik nicht auf, mit einem Ständchen quer durchs Stadion ne Runde Freibier zu ersingen.Die Fans der Marinos, die nicht dem Boykottaufruf gefolgt waren, hißten ebenfalls einige Fahnen (mit lateinischer Schrift) und konnten durch langgezogene, durchgängige Gesänge im Südamerika Style sehr überzeugen. Das Match war ebenfalls recht ordentlich. Dem VfL merkte man deutlich an, dass man sich noch in der Vorbereitung befand. Etliche Missverständnisse waren die Folge. Die Gastgeber gingen kurz vor der Pause mit 1:0 in Führung, die Dennis Grote, in seiner Jugend noch für den großen SCP am Ball, egalisieren konnte. Viel mehr tat sich bis zum Schlußpfiff auch nicht; danach kamen die Spieler zu uns an den Graben, um sich den verdienten Applaus abzuholen und sich für die Unterstützung zu bedanken. Da in Japan der Rasen nach dem Spiel nicht mehr betreten werden darf, verband die Mannschaft das Auslaufen mit zwei Ehrenrunden, wobei natürlich Shinji Ono von seinen Landsleuten frenetisch gefeiert wurde. Aber soo bekannt, wie man es uns in Bochum immer vormacht, scheint er in Japan gar nicht zu sein. Jedenfalls standen in den Sportgeschäften die Trikots anderer BuLi Japaner viel höher im Kurs. Sei´s drum.Zurück im Hotel machte sich die Mannschaft auf den Weg ins Nachtleben von Yokohama, während wir etwas unschlüssig in der Lobby saßen. Frage Azaouagh: "Na Jungs, was macht Ihr heute abend noch?" Antwort: "Keine Ahnung, die Hotelbar hat wohl schon zu." Darauf Azaouagh: "Dann nehmt Euch halt ´n Taxi und fahrt dahin, wo was los ist." Antwort: "Wir fahren nur mit der Bahn". Kein Kommentar. Gottlob war dann doch noch die Lounge geöffnet (bis 1 Uhr, last order bis Mitternacht), in der wir den gelungenen Abend ausklingen ließen. Zeugwart Andy Pahl gesellte sich dann noch zu uns und erreichte, dass 1. der Zapfenstreich um ne Stunde verlängert wurde und 2. noch ne Runde auf den VfL ging. Mit ihm wurden dann so ziemlich alle wichtigen Dinge rund um den VfL nochmal durchdiskutiert.

Freitag. 01.08.2008: Endlich mal etwas länger schlafen. Heute hatten wir nur noch einen Termin und zwar musste für unseren Kai, der leider nicht dabei sein konnte, weil er sich mit seiner Meike auf Hochzeitsreise auf Island befindet, etwas Plastik Sushi besorgt werden, wie es alle Lokale im Schaufenster haben, damit die Touris auch sehen, was es dort zu essen gibt. Kai hatte Fabian halt aus Spaß gebeten, ihm Sushi mitzubringen und das wird nun die gelungene Antwort: Plastik-Sushi! Im Kitchenware-Viertel Kapabashi wurde man erwartungsgemäß fündig. Danach traf man sich mit dem Rest der Truppe (Köln-Kai sowie Ratajczak und Naddel blieben noch etwas länger in Nippon) am Airport wieder. Am Gate traf man noch auf den Aux, Goslar-Jürgen, den Kirchzeller sowie zwei weitere Bayernfans, die berichteten, dass der FCB diesmal von "nur" 10 Leuten begleitet wurde, also Bochum - Bayern = 10:10 unentscheiden. Ist aber auch verständlich, da solche Spiele beim FCB inflationär sind. Für uns war es eine einmalige, unvergessliche Sache, für die Bayernfans ist das lästige Routine. Letzten Monat Indonesien und Indien, China fiel aus, jetzt, wie fast jedes Jahr, Japan, dazwischen kreuz und quer durch deutsche Lande. Mit Zwischenstop in der Olympiastadt Peking, wo man ebenfalls ausreisen musste und der Grenzmokel mir einen fetten Stempel auf eine der letzten freien Seiten im Pass kloppte, hatte man am Samstag, 02.08.2008 gegen 6:30 wieder deutschen Boden unter den Füßen. Die Zeit bis zur Abfahrt des Zuges mit Fabian auf der Aussichtsterasse rumgebracht und gegen 10:15 saß man wieder zu hause auf´m Sofa und das Unternehmen Japan war endgültig Geschichte.

FAZIT: Eine absolut unvergessliche, nicht mit einer Hoppertour vergleichbare Reise. Es bleibt die Hoffnung auf eine Fortsetzung!

Kommentare:

fs95_sez_dah hat gesagt…

sehr gelungener bericht!
tja ralf, ich glaub der vfl muss noch 'nen japaner verpflichten, damit wir nächstes jahr auch in den genuss einer reise nach nippon kommen...

Ralf hat gesagt…

Hi, Gunnar ... so wird es wohl sein, das auch die Vater-Generation mal mitkommen kann .. hehe!

Anonym hat gesagt…

@ fs95_sez_dah:
Hattest Du nicht "Ausreiseverbot"???
:-)

Inka hat gesagt…

Inzwischen scheint Fraport ja wirklich ein Begriff für den Flughafen an sich geworden zu sein. Dachte eigentlich immer, dass das nur der Name der Betreibergesellschaft sei und der Flughafen an sich Rhein-Main-Airport heißt, aber gut, Fraport ist ja auch viel praktischer.