Montag, 4. Oktober 2010

Bochum versinkt im Chaos: Geht heute die Welt unter?

Ich habe viel erlebt. Als kleiner Junge das Zittern um die Spiellizenz, die der VfL immer erst nach Spielerverkäufen und strengen Auflagen bekam. Damals noch ohne Internet, musste man auf die Zeitung am nächsten Tag warten, um zu lesen: "Bochum gerettet!". Ich habe am Radio gezittert, wenn der VfL spielte, mit 12 Jahren mystische Rituale vollzogen, in der Hoffnung das hilft. Mit 16, 17 Jahren bin ich dann aktiv zur Fanszene gestossen, den VfL überall hin begleitet, Fanarbeit mitgemacht usw. Den ersten Abstieg, unter Tränen meiner Fanclubkollegen, habe ich über mich ergehen lassen. Wir sassen am Abend am schwarzen Meer in Trabzon und haben das erste Spiel des VfL im Uefa-Cup erlebt. Viele Abstiege, viele Wiederaufstiege und den Lüttich-Albtraum haben mich geprägt.
Doch heute ist der Tag, an dem nicht nur ich sage: Ich erkenne diesen Verein nicht mehr wieder. Nichts, aber auch gar nichts trägt dieser VfL dazu bei, das man sich mit ihm noch identifizieren könnte. Schleppt mir einen 12-jährigen zum VfL, lasst ihn ein Spiel schauen und er wird Dir nacher sagen: "Mein Gott, lass uns das nächste Mal zu Mc Donalds gehen, da ist mehr los." Dieser Club ist am Ende. Runtergewirtschaft von einer machtbesessenen Clubführung, von Mitarbeitern, die ihr Handwerk nicht verstehen, von Menschen, die keine Visionen haben und von Spielern, die das Wort Profi schon lange nicht mehr verdient haben.

Heute Abend ab 19:00 Uhr werden die Verantwortlichen all das abbekommen, wenn es in der JHV hoch her gehen wird. Erleben wir ein Chaos wie im Gelsenkirchen der 80ger Jahre? Wie spottete ein WAZ-Leser heute richtig: Für Gustl wird es heute Ernst! Man kann damit rechnen, das die Mitglieder, die heute anwesend sind, sich nicht mehr mit 0815-Floskeln zufrieden geben werden. Und das, wie in der Vergangenheit, jegliche Kritik schon im Keim erstickt wird, können sich die VfL-Verantwortlichen abschminken. Schonungslose Abrechnung und vielleicht Änderungen in der Satzung werden die möglichen Folgen sein! Dieser Verein ist nicht wirtschaftlich kaputt gemacht worden. Ganz im Gegenteil. Ansgar Schwenken hat aus den Möglichkeiten und der ihm gegebenen Situation das optimalste für den Club rausgeholt. Doch die anderen Verantwortlichen, haben die Steilvorlage gegeben, das auch die finanzielle Situation demnächst kritisch wird: Mit absolut misslungenen Spielereinkäufen, mit Fehlgriffen im Trainerstab und mit einer sportlich miserabelen Leistung, die den Zuschauerdurchschnitt mehr als halbiert hat! So konnten wir heute in der WAZ einen Artikel des Herrn Eckhardt lesen, von dessen Schreibstil ich meistens nicht viel halte, ihn heute aber dennoch mal loben will: Dieser Artikel "Der VfL bekommt die Quittung!" beschreibt die momentane Situation sehr genau und absolut treffend und zeigt, wie der VfL sich etliche Chancen auf eine junge, moderne Mannschaft mit Perspektive selbst verbaut hat. Denn das, hat den VfL früher immer ausgemacht: Junge, hungrige und talentierte Spieler, die aus der Region kamen und mit dem sich der Fan auf der Tribüne identifizieren konnte! Das kann ich heute schon lange nicht mehr! Gute Nacht, Bochum! Und bitte daran denken: Der letzte macht heute Abend das Licht aus!

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