Donnerstag, 17. Mai 2012

Fanvertreterwahl: Nach 99 (Spiel)tagen ziehen wir Bilanz …

Eine Analyse von Alexander J. Richter

Am Ende des zweiten Wahlgangs war das Ergebnis deutlich. Martin Volpers vom Fan-Club „Bochumer Jungen“ wird neuer Fanvertreter im Aufsichtsrat des VfL Bochum. In dieser Funktion löst er Axel Treffner von den Blau-Weißen Panthern ab, der dieses Amt über 2 Wahlperioden hinweg seit 2002 ausübte und zuletzt in die Kritik geraten war. Zu ruhig sei er gewesen, zu wenig greifbar und zu intransparent in den Kommunikationswegen. Gleichwohl: Seine E-Mail-Adresse war bekannt. Seine Präsenz bei Heim- und Auswärtsspielen wahrnehmbar – wenn man denn wusste wer er ist. Nun also Volpers. Um es vorweg zu nehmen: kein unsympathischer Mann.

Doch der Reihe nach. Nachdem Treffner 2007 ohne Gegenkandidaten wiedergewählt wurde, bewarben sich gleich sechs Kandidaten um diesen für die Bochumer Fanlandschaft wichtigen Posten. Sascha Lange vom Fan-Club „VfL4u“, seit Jahren engagierter Fragesteller auf diversen Jahreshauptversammlungen und auf einer solchen vom Werner Altegoer auch schon mal mit den Worten „Ach, sie sind der Berufsantragsteller!?“ bedacht. Er wurde im ersten Wahlgang respektabler Dritter mit 7 gesammelten Stimmen.

Die Abstimmungsergebnisse der letzen drei Kandidaten, die allesamt weniger Votierungen erhielten, wurden im gegenseitigen Einvernehmen durch den federführenden Organisator Dirk „Moppel“ Michalowski, gar nicht erst bekannt gegeben. Dennoch sollen auch sie an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben. Leonard Tricot ist einer von Ihnen. Bereits 2002 Kandidat. Mitglied des Fan-Clubs „Ruhrpott-Piraten“. Im Wahlkampf kaum wahrnehmbar. Erst in letzter Minute, am Wahlabend fanden sich aussagekräftige Flyer zu seiner Person auf den Tischen der Fan-Club-Vertreter. Zu diesem Zeitpunkt dürfte jedoch die Zahl der unentschlossenen Wahlmänner gen Null tendiert haben. Andere Kandidaten waren da schon eifriger. Wie zum Beispiel Martin Oldengott vom Fan-Club „Ruhrstadion 1848“. Er suggerierte Nähe zu vermeintlichen B-Promis wie Uwe Fellensiek und Hans-Werner Olm. Geholfen hat es indes wenig. Ebenso wie das Eigentor, welches er sich mit seinem Wahlkampfprogramm schoss. Dieses zeigte einen euphorisierten Kandidaten mit dem Championsleague-Pokal in der Hand. Dummerweise nur, prangte im Hintergrund der Schriftzug der „Arena Auf Schalke“. So musste der Kandidat noch in den letzten Tagen das Amüsement der Fanschaft ertragen.

Und dann war da noch Matthias Schneider (unservfl.de), Spitzname „Ostkurven-Mattes“. Ihm wurde ein Blog eines Fankameraden namens „Herr Bert“ zum Verhängnis, welcher zum einen scharf und teilweise unter der Gürtellinie gegen die Bewegung „Wir sind VfL“ schoss und zum Anderen die Ansicht vertrat, dass zu viel Mitbestimmung der Fans sicher auch nicht gut sei. Schließlich seien das Chaos und die Altegoerdemission erst durch jene Fans in den Verein getragen worden. Da half dann auch die spätere Distanzierung seitens Schneiders nichts mehr. Durchgefallen.

Einen guten zweiten Platz erreicht Bernd Schwinge, welcher im ersten Wahlgang 21 der 67 möglichen Stimmen auf sich vereinigte und somit Favorit Volpers eine Stichwahl abrang. Vielleicht wären es sogar noch ein paar mehr gewesen, wäre Schwinge nicht bei der Kandidatenvorstellung beruflich verhindert gewesen und substituierend durch einen Freund eher improvisiert vorgestellt worden. Schwinge, Mitglied des Fan-Clubs „Commando Bochum“ wurde von einem größeren Block ultraorientierter Fan-Clubs, anderen aktiven Gruppen und inoffiziell wohl auch durch die Fan-Initiative „Wir sind VfL“ unterstützt. Dass dieser Block jedoch momentan nicht mehr (aber immerhin) ein Drittel der organisierten Fanschar ausmacht, zeigt der zweite Wahlgang, indem es ihm nicht gelang nennenswert dazuzugewinnen.

Martin Volpers (31 Stimmen im ersten Wahlgang) hingegen konnte sich auf den etwas größeren Block der organisierten Clubs stützen, in dessen Zentrum die so genannten „A5“, fünf der ältesten Bochumer Fan-Clubs agieren. Aus dieser Riege entstammte auch Vorgänger Axel Treffner.

Klar geworden ist, dass es für einen unbekannten Kandidaten ohne Hausmacht wohl schwer werden, wird in dieses Amt gewählt zu werden, wie die vier weiteren Kandidaten mehr oder weniger leidvoll erfahren mussten. Dieses Mal waren sich die Kombattanten glücklicherweise über den Modus einig. Bis zur nächsten Wahl, und dies wurde durch den Fanbeauftragten Michalowski zurecht angemahnt, sollte ein verbindlicher Rahmen erarbeitet werden, welcher den allgemeinen Ablauf regelt. Dazu könnte gehören, dass die Fan-Clubs als Abteilung in den Verein integriert werden und eine Art Satzung geschaffen wird. In dieser sollten Wahlmodi sowie die Zeiträume von Kandidatur bis Wahltermin festgeschrieben werden. Ebenso wie bestimmte Eventualitäten, etwa wie zu verfahren ist, falls die allgemeine Jahreshauptversammlung den gewählten Kandidaten nicht bestätigt. Machen wir uns nichts vor, auch die Struktur der Organisationsweise gehört überarbeitet. Es mag sinnvoll sein, dass Fan-Clubs seit einiger Zeit hundert Euro zahlen müssen, um sich eintragen zu lassen. Nur müsste diese Summe im Nachhinein auch von allen bisherigen Vereinigungen erhoben werden, um Karteileichen auszusortieren und eine Legitimation zu schaffen gegenüber neuen VfL-Fans. Denn machen wir uns nicht vor. Wer gegenwärtig den Weg zum VfL findet oder sogar einen Fan-Club gründet ist bestraft genug. Dann nochmal 100 Euro zu zahlen während Randerscheinungen, die sich möglicherweise in UEFA-Cup-Euphorie angemeldet haben, und sich seit Jahren nicht blicken ließen – gleichzeitig aber Stimmrecht genießen, das ist nicht fair. Hier besteht Handlungsbedarf. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, dass der Wahltermin ausgerechnet einen Tag nach dem 40. Geburtstag der Bochumer Jungen (herzlichen Glückwunsch) angesetzt wurde. Der entsprechende Artikel auf der offiziellen Vereinsseite war sicherlich noch einmal willkommene Wahlkampfhilfe. Dabei hätte Volpers diese wohl gar nicht mehr gebraucht. Zu groß war doch bereits im Vorfeld die Schar seiner Anhänger. Zu imponierend auch Volpers als Person. Seine Fanvita kann sich sehen lassen. Seine Auftritte (Berührungsängste kann man ihm nicht nachsagen) waren durchaus überzeugend. Sowohl menschlich als auch inhaltlich. Bleibt zu hoffen, dass er Wort hält ein Vertreter aller Fans zu sein, und den Konsens zu suchen. Er toleriert unterschiedliche Meinungen, ohne deshalb gleich von Spaltung zu sprechen. Er sieht in der heutigen Fan- und Ultrakultur durchaus Parallelen zu „seiner“ Kuttenzeit, die sicher nicht minder wild, aber von deutlich weniger medialem Interesse unterlegt war. Wünsche wir ihm ein glückliches Händchen. Nach 99 (Spiel) tagen wird Bilanz gezogen.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Sehr zutreffende Analyse!Dieser Schneider ging mal garnicht mit seinem unflätigem Anhang.

Anonym hat gesagt…

Dem Analyselob schließe ich mich an.
Aber was heißt denn da Anhang?
Unterscheiden zwischen EINEM Unterstützer und einer Person und dem, was DIESER selbst klar sagt, ist wohl zu kompliziert und für Kleingeister eine nicht zu bewältigende Aufgabe. Oportunistisches Geschwafel....

Anonym hat gesagt…

Gut auf den Punkt gebracht!

Für OKM war es äußerst bedauerlich, dass dieser unsägliche Herr Bert ihn unterstützte. Der geht nun mal gar nicht und hat offensichtlich weder aus dem Gegenwind, der ihm im eigenen Fanclub entgegen wehte, noch aus den Reaktionen außerhalb die vernünftigen Schlüsse gezogen. Wer seinen Kommentar nach der Wahl gelesen hat, weiß, dass diesem Patienten nicht mehr zu helfen ist.

Die "Gegenseite" hat sich allerdings auch nicht mit Ruhm bekleckert. Billigster Wahlkampf, OKM zu unterstellen, er würde das geistige Armutszeugnis des Verwirrten unterstützen. Und das, obwohl er sich mehrfach davon distanziert hat. Schade, dass das Ganze so ausgeartet ist.

Glückwunsch an Martin Volpers. Ich bin gespannt auf die Bilanz nach 99 (Spiel)tagen.